POLSELEC (
Hilfe-System Online)
In Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Bernd-Rüdiger Meyer, Fürstenwalde
- Herstellerunabhängige Werkstoffdatenbank für ca. 800 Produktfamilien (Thermoplaste,
Duroplaste, Elastomere).
- Vorauswahl nach ca. 300 Auswahlkriterien (darunter über 80 verschiedene Medienbeständigkeiten)
- Berücksichtigung der Preisrelationen unterschiedlicher Produktfamilien
- Lückenlose Zuordnung und einheitliche Bewertung.
- Unterstützung der Auswahl durch Werkstoff-Beispiele, Kennwertbereiche, Hinweise
auf Normen und Richtlinien
- Auswahlunterstützung durch Definition von Anwendungsbedingungen (Klima-Werte,
etc.)
- Speichern und Laden von Anforderungs-Profilen
- Hilfe-System (informieren Sie
sich vorab)
- automatische Updates
- Suche über Handelsprodukt-Bezeichnungen
- Anzeige von Werkstoffkurzbeschreibung und Handelsprodukt-Beispielen
- Suche nach Handelsprodukten (ca. 10.000 Handelsprodukte von ca. 600
verschiedenen Herstellern)
- ...
(Auszug aus - Meyer,B.; Neumann,F.: POLSELEC-Computerprogramm zur Vorauswahl von
Plastwerkstoffen und zugeordneten Fertigungsverfahren. Plaste und Kautschuk 36 (1989)
8, S. 269 bis 272)
Der Konstrukteur von Kunststofferzeugnissen muß spätestens nach Präzisierung der
Aufgabenstellung und nach Auswahl von Wirkprinziplösungen zumindest eine Grobvorstellung
von den einsetzbaren Werkstoffen und Fertigungsverfahren haben. Im Softwaresystem
POLMOD wurde daher für die Werkstoff- und Verfahrensvorentscheidung der Systemhauptmodul
POLSELEC zur Vorauswahl von Werkstoffgrundtypen und zugeordneten Fertigungsverfahren
entwickelt. Der konzeptionelle Ansatz zu diesem Entscheidungsalgorithmus entstand
bereits 1978, konnte aber erst nach Verfügbarkeit geeigneter Hardware als Computerprogramm
realisiert werden. Nachstehend sollen die inhaltliche und methodische Konzeption
dieses Programmpaketes erläutert sowie seine Struktur und Anwendungsmöglichkeiten
kurz beschrieben werden.
Methodischer Ansatz:
Große Vielfalt der Kunststoffgrundtypen, Eigenschaftskombinationen und Verarbeitungsmöglichkeiten
sowie relativ unbestimmte bzw. lückenhafte Ausgangsinformationen zur Erzeugnisanwendung
lassen am Beginn der Erzeugnisentwicklung meist keine ausreichend sichere Entscheidung
über den einzusetzenden Werkstoffspezialtyp zu. Komplex verzahnte anwendungstechnische,
ästhetische, wirtschaftliche und ökologische Anforderungen und Interessen erfordern
häufig die Entwicklung von Alternativvarianten, so daß Entscheidungen zum Werkstoff
Bestandteil des konstruktiven Entwicklungsprozesses in all seinen Phasen mit zunehmendem
Grad der Präzisierung und Detaillierung sind. Die Werkstoffauswahl kann insbesondere
bei Erzeugnis-Neuentwicklungen nicht a priori als spezieller, sachlich und zeitlich
genau abgegrenzter Arbeitsschritt im Konstruktionsprozeß aufgefaßt werden.
Andererseits wird vom Konstrukteur zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt bereits eine
Vorentscheidung zum erforderlichen Werkstoff und Fertigungsverfahren erwartet:
-
Die Materialkosten sind bei den Kunststofferzeugnisselbstkosten meist der dominierende
Einzelkostenanteil. Wirtschaftlichkeitserwägungen verlangen daher frühzeitig Kenntnisse
über einsetzbare Werkstoffe und deren Preise.
-
Effektive Gestaltung von Kunststoffteilen ist ohne Beziehung zur stofflichen Realisierung
und zum Fertigungsverfahren nur sehr schwer möglich, da der Konstrukteur seine Gestaltungserfahrungen
(Werkstoffgefühl) nicht ausreichend nutzen kann.
-
Freizügigkeit und Variabilität der Konstruktionsarbeit erfordern bereits bei Konstruktionsbeginn
die Kenntnis möglichst aller Alternativwerkstoffe, für die eine Anwendungschance
besteht.
Die vorstehend beschriebene Widerspruchssituation ist zu bewältigen, wenn der Werkstoffentscheidungsprozeß
in zwei relativ unabhängige, zeitlich aufeinanderfolgende Etappen aufgeteilt wird.
-
Werkstoffentscheidungen beginnen mit einer Werkstoffauswahl zum frühestmöglichen
Zeitpunkt des konstruktiven Entwicklungsprozesses. Ausgangspunkt sind relativ wenige,
aber werkstoffeinsatzbestimmende Erzeugnisanforderungen. Der in der Kunststofftechnik
besonders enge Zusammenhang zwischen Erzeugnisgestaltung, Werkstoff und Fertigungsverfahren
zwingt dazu, die Werkstoffauswahl und die Vorausbestimmung der Fertigungsverfahren
gleichzeitig durchzuführen. Das geschieht durch Zuordnung anwendbarer Verfahren
zu Werkstoffen. Ziel der Werkstoffauswahl ist die Einengung der Zahl aller existierenden
Werkstoffvarianten nach einsatzbestimmenden Auswahlkriterien. Ergebnis der Werkstoffauswahl
sind alle Werkstoffgrundtypen, für die eine gewisse Einsatzchance besteht. Unter
diesen Grundtypen muß sich der später zu spezifizierende optimale Werkstoff mit
Sicherheit befinden. Eine endgültige Werkstoffentscheidung ist in Ausnahmefällen
möglich, nicht aber eigentliches Ziel der Vorauswahl. Werkstoffgrundtyp im Sinne
dieses Auswahlverfahren ist ein übergeordneter Typenvertreter für eine unterschiedliche
Anzahl von speziellen Handelsprodukten (Werkstoffspezialtypen) mit sehr ähnlichen
Eigenschaften und gleichartiger Stoffbeschaffenheit. Das vorstehend skizzierte Auswahlverfahren
ist Gegenstand des Programmpaketes POLSELEC.
-
Die Werkstoffauswahl endet mit der Entscheidung über den einzusetzenden Spezialtyp
als Ergebnis detaillierter und vollständiger Untersuchungen zur Funktion, Fertigung
und Wirtschaftlichkeit der Lösungsvarianten, einschließlich Fertigungs- und Funktionserprobung.
Im POLMOD stehen dafür problembezogen entsprechende Systemmodule zur Verfügung.
Für die Werkstoffauswahl ist ein zweckmäßiges Entscheidungsprinzip zu bestimmen.
Wir glauben folgende Prinzipien unterscheiden zu können:
-
Eigenschaftsanalogie: Ausgehend vom Anforderungsbild der Erzeugnisse wird durch
entsprechende Auswahlkriterien das erforderliche Eigenschaftsbild der Werkstoffe
abgeleitet und danach die Vorauswahl durchgeführt.
-
Anwendungsanalogie: Ausgehend von vergleichbaren Anforderungskombinationen für bereits
hergestellte Kunststofferzeugnisse wird nach bekannten Werkstoffeinsatzbeispielen
die Vorauswahl durchgeführt.
Anwendungsanalogie ist einfach handhabbar, der Konsrukteur kommt mit geringen Werkstoffkenntnissen
aus und große Praxisnähe wird suggeriert. Für Neuentwicklungen ist dieses Prinzip
nicht durchführbar, da entsprechende Werkstoffeinsatzbeispiele u.U. fehlen. Außerdem
sind Vergleiche mit bekannten Anwendungsbeispielen problematisch, wenn diese sich
auf unterschiedliche technische und/oder wirtschaftliche Voraussetzungen beziehen.
Aufgrund dieser u.a. Nachteile kommt nur die Eigenschaftsanalogie als universelles
und übergeordnetes Entscheidungsprinzip für die Werkstoffauswahl in Frage. Um die
Werkstofferfahrung des Konstrukteurs bei der Vorauswahl zu nutzen, wird durch geeignete
Plazierung charakteristischer Werkstoffbeispiele die Entscheidungssicherheit verbessert.
Die Werkstoffauswahl beginnt mit der Entscheidung über werkstoffeinsatzbestimmende
Erzeugnisanforderungen. Anforderungen können aus Sicht ihres Erfüllungsgrades sowie
anderer Aspekte nach Bild 12 unterschieden werden. Werkstoffeinsatzbestimmend im
Sinne der Vorauswahl sind immer nur Forderungen. Zunächst muß der Programmnutzer
darüber entscheiden, welche Forderungen an das Erzeugnis tatsächlich wesentlich
für die Werkstoffauswahl sind. Nach unserer Erfahrung ergeben sich unter Berücksichtigung
aller Aspekte der Kunststoffanwendung, je nach Aufgabenstellung eine Mindestzahl
von 4 bis 6 unterschiedlichen Forderungen. Falls man deutlich unter dieser Grenze
liegt, handelt es sich meist um eine unzureichend determinierte Aufgabenstellung.
Vom Anforderungsbild des Erzeugnisses muß ein gedanklicher Transformationsschritt
auf entsprechende Forderungen an den Werkstoff führen. Es wird gewissermaßen ein
notwendiges Eigenschaftsbild des Werkstoffes entworfen. Nicht selten werden Erzeugnisforderungen
automatisch auch als Werkstoffanforderungen identifiziert. Eine solche Gleichsetzung
kann aber zu gedanklichen Unbestimmtheiten und dadurch zu Fehlentscheidungen führen.
Die Transformation von Attributforderungen bereitet aufgrund ihres dualen Charakters
keine Schwierigkeiten, weil sie für Erzeugnis und Werkstoff völlig gleichsinnig
zu deuten sind. Beispielsweise ist die Forderung, daß das Kunststoffteil durch Spritzgießen
herstellbar sein soll, eine solche Attributforderung. Anders liegen u.U. die Verhältnisse
bei Variablenforderungen. Diese können als Forderungen an das Erzeugnis sowohl Fest-
als auch Bereichsforderungen sein. Die Forderung nach engen Maßtoleranzen für ein
wichtiges Funktionsmaß bei der Anwendung ist z.B. eine Festforderung an das Erzeugnis.
Bezogen auf den Werkstoff ist sie eine Bereichsforderung, die bestimmte Eigenschaften
(z.B. Nachschwindung, Quellung, Wärmedehnung) auf zulässige Maximalwerte begrenzt.
Nach unserer Kenntnis sind alle Forderungen an Werkstoffe, sofern sie Bedeutung
für die Vorauswahl haben, als Bereichsforderungen zu klassifizieren. Daraus folgt,
daß die Vorauswahl nicht an Eigenschaftsfestwerten der Werkstoffe gebunden werden
muß. Alle uns bekannten Kunststoffauswahlprogramme arbeiten mit Dateien, in denen
Eigenschaftsfestwerte werkstoffbezogen gespeichert sind. Für die Werkstoffauswahl
ist dies nicht erforderlich. Am Beginn des Erzeugnisentwicklungsprozesses ist der
Benutzer im Regelfall ohnehin überfordert, wenn von ihm Eigenschaftsfestwerte bei
Variablenforderungen als Vorgabegrößen zur Werkstoffauswahl verlangt werden. Nach
unserer Erfahrung führt das leicht zum Formalismus und damit u.U. zu Fehlentscheidungen.
Wir haben daher für die variablen Werkstoffeigenschaften eine Zuordnung nach Eigenschaftsniveaustufen
vorgenommen. Die Eigenschaftsniveaustufe repräsentiert einen bestimmten quantitativen
Bereich einer Eigenschaft und dient als Auswahl- und Werkstoffzuordnungsmerkmal.
Auswahl- und Zuordnungkriterien für Werkstoffe:
Das aus den Forderungen an das Erzeugnis abgeleitete und für die Auswahl maßgebende
Eigenschaftsbild der Werkstoffe muß durch Auswahlkriterien konkretisiert werden,
um eine Computerentscheidung zu ermöglichen. Auswahlkriterien beschreiben die Werkstoffe
hinsichtlich aller für die Auswahl relevanten Aspekte und bilden die inhaltliche
Struktur des Vorauswahlprogrammes. Sie repräsentieren verschiedene Werkstoffeigenschaften
oder -merkmale, die durch physikalische oder chemische Prüfverfahren bei unterschiedlichen
Prüfbedingungen ermittelt werden bzw. Ergebnisse von Bewertungen sind. Das Auswahlprogramm
kann nur dann universell funktionieren, wenn die auswahlbestimmenden Kriterien des
Werkstoffeigenschaftsbildes für alle im Programm gespeicherten Werkstoffe nach Art
und Anzahl gleich sind. Die Bedingung kann für alle Polymerwerkstoffe durchgängig
nicht eingehalten werden. Aus diesem Grund wurden folgende Werkstoffhauptgruppen
gebildet, die gleichzeitig drei voneinander unabhängig handhabbare Programme von
POLSELEC bilden:
-
KOMPAKTSTOFFE
-
SCHAUMSTOFFE
-
WABENSTOFFE UND
-
KAPILLARPORÖSE STOFFE.
Bezüglich der stofflichen Zusammensetzung werden alle Werkstoffmodifikationen erfaßt.
Eine Ausnahme sind Werkstoffkombinationen aus stofflich unterschiedlichen und geometrisch
eindeutig abgrenzbaren Verbundschichten (z.B. Stützkernverbunde, Verbundfolien,
Einbettungsverbunde). Die Bestimmung und Auswahl solcher Mehrschichtverbunde ist
eine komplexe Konstruktionsaufgabe, bei der die Werkstoffauswahl nur ein Teilproblem
und dafür dann auch POLSELEC nutzbar ist.
Der Modul "Kompaktstoffe" von POLSELEC ist auch außerhalb des POLMOD-Softwaresystems
als PC-Version unter dem Betriebssystem MS-DOS lauffähig. Eine UNIX-Version ist
geplant. Für den Modul "Schaumstoffe" stehen die Arbeiten vor dem Abschluß.
Die Realisierung des Moduls "Wabenstoffe und kapillarporöse Stoffe" ist
kurzfristig nicht vorgesehen. Die nachfolgenden Ausführungen befassen sich daher
mit der Kompaktwerkstoffauswahl. Prinzipielle Aussagen zum Auswahlprinzip und zur
Programmstruktur gelten aber ohne Einschränkung für alle Programme.
Anwendungsschwerpunkt für POLSELEC ist der konstruktive Kunststoffeinsatz für geometrisch
bestimmte Gebilde (z.B. Formteile, Profile im weitesten Sinne). Es werden alle Kunststoffwerkstoffe
als Thermoplaste (Plastomere), thermoplastische Elastomere (Elastoplaste) und Duroplaste
(Duromere) erfaßt. Von den Elastomeren sind z.Z. nur PUR-Elastomere im Programm
vertreten. Eine Erweiterung auf die üblichen Elastomerwerkstoffe wäre im Prinzip
möglich, müßte aber die Besonderheiten dieser Werkstoffgruppe berücksichtigen. So
wäre aus sachlichen Gründen eine getrennte Auswahl für Kautschuke und Vulkanisate
(Gummi) zweckmäßig. Folgende Anwendungsbereiche für Polymere sind z.Z. in POLSELEC
nicht vorgesehen:
-
Klebstoffe
-
formlose Beschichtungsstoffe
-
Bindemittel und Dichtungsstoffe
-
Anstrichstoffe
-
Lack, Tränkimprägnierharze
-
Modelliermassen
-
Chemiefaserstoffe
-
Informationsträgermaterialien
Die Werkstoffzuordnung in der Programmdatei erfordert die Festlegung prüfbarer Eigenschaften
bzw. bewertbarer Merkmale für jedes Auswahlkriterium. Wir bezeichnen diese als Zuordnungskriterien.
Vielfalt der Kunststoffprüfverfahren und Eigenschaftskennwerte sowie der werkstoffspezialisierte
Geltungsbereich vieler Prüfverfahren erzwingen die Einhaltung bestimmter Richtlinien
bei der Festlegung der Zurodnungskriterien. Diese müssen für alle Werkstoffe nach
gleichen oder vergleichbaren Prüfverfahren und -bedingungen bestimmbar sein, in
guter Korrelation zu den Gebrauchswertanforderungen der Praxis stehen sowie alle
wesentlichen Aspekte der Werkstoffanforderungen abdecken. Physiklalisch interpretierbare
(echte) Stoffkennwerte haben Vorrang vor konventionellen Kennwerten. Alle vorgesehenen
Eigenschaftswerte müssen für alle gespeicherten Werkstoffe bekannt oder mit Analogieregeln
hinreichend genau abschätzbar sein. Es gibt also keine "Leerstelle" für
Kennwerte in POLSELEC.
Wie bereits erläutert, werden für variable Eigenschaften Kennwertbereiche als Eigenschaftsniveaustufen
eingeteilt, denen dann die Werkstoffe zuzuordnen sind. Die Bereichsfestlegung für
die Eigenschaftsniveaustufen ist entscheidend für den Selektionsgrad und für die
Zuverlässigkeit des Programmes sowie für den Aufwand bei der Datenerfassung und
-speicherung. Allgemein wurden die Bereiche so grob festgelegt, wie es für einen
sinnvollen Selektionsgrad vertretbar war. Damit wurde die Datenzahl verringert und
die Werkstoffzuordnung infolge größerer Prüfwertschwankungen erleichtert. Die Bereichsfestlegung
muß werkstoffphysikalische Gesetzmäßigkeiten berücksichtigen, sofern diese qualitative
Sprünge oder markante Verhaltensqualitäten beschreiben. Bewährte und in der Praxis
eingeführte Eigenschaftsklassifizierungssysteme (z.B. Brandklasse nach UL 94) wurden
verwendet. Bei der Bereichsfestlegung wurde weiterhin darauf geachtet, daß die Mehrzahl
der Werkstoffe möglichst nicht im Übergangsbereich der Niveaustufen liegt. Ist dies
im Einzelfall unvermeidbar, wird der Werkstoff jeweils in beide Stufen eingeordnet.
Selbst Werkstoffspezialisten haben mit der Vielfalt der Prüftechnik für Kunststoffe
ihre Probleme. Es ist also nicht verwunderlich, wenn der Konstrukteur u.U. mit den
angebotenen Eigenschaftskennwerten wenig anfangen kann. Als zusätzliche Hilfe stehen
ihm daher Werkstoffbeispiele als Vergleichsstoffe für die jeweiligen Niveaustufen
bzw. Merkmale zur Verfügung. So kann er seine Werkstofferfahrung aus vergleichbaren
Praxissituationen für die Auswahl gezielt einsetzen. Dem gleichen Zweck dienen entsprechende
Hinweise und Erläuterungen bei den Zuordnungskriterien, die u.a. auch die Angabe
von Prüfnormen und -bedingungen enthalten.
Bei der Alterungsbeständigkeit sind einige Besonderheiten zu beachten. Für diese
Auswahlkriterien ist folgende Variantenrelation typisch:
-
Art der Alterungswirkung (z.B. Wärme, Klima, Strahlung, Medien)
-
Dauer der Einwirkung und Intensität der Alterungsfaktoren (z.B. Temperatur, Bewitterungszeit,
Strahlendosis)
-
Ausmaß der Schädigung des Werkstoffes durch Alterung (z.B. Festigkeitsabfall, Substanzverlust)
Es handelt sich um variable Eigenschaften deren Einbindung in das Auswahlprogramm
wegen der vielen Variablenkombinationen die Festlegung des Werkstoffschädigungsgrades
als Bezugspunkt für das Eigenschaftsniveau erfordert. Diese Festlegung wurde für
alle Alterungswirkungen einheitlich nach üblichen Bewertungssystemen so getroffen,
daß bei Überschreitung der vorgegebenen Schädigungsgrenzen der Werkstoffe mit Sicherheit
als unbeständig gelten kann. Dies bedeutet andererseits, daß sich vorgewählte Werkstoffe
bei näherer Untersuchung u.U. als unbrauchbar erweisen können. Diese Auswahlmethode
hat aber den Vorteil, daß nur die mit Sicherheit unbeständigen Werkstoffe aussortiert
werden und die praktischen Schwierigkeiten der Bewertung von Alterungswirkungen
nicht zu voreiliger Ablehung führen. Das jeweilige Auswahlkriterium ist damit die
Art, Dauer und Intensität der Alterungswirkung, die bezogen auf das einheitliche
Schädigungsniveau nur noch dual bewertet wird (beständig, unbeständig). Andere Lösungen,
wie z.B. drei oder mehr Beständigkeitsstufen, überfordern häufig den Konstrukteur
und täuschen eine nicht immer gerechtfertigte Genauigkeit vor. Zur Verbesserung
der Alterungsbeständigkeit von Kunststoffen werden u.U. spezielle Additive als Stabilisatoren
zugesetzt. Für Wärme-, Witterungs- und Hydrolysestabilisierung ist im Programm die
Möglichkeit zur Differenzierung nach unstabilisierten und stabilisierten Werkstofftypen
vorgesehen.
Trotz ausreichend detaillierter Definition und Abgrenzung der Zuordnungskriterien
verbleiben Unsicherheiten bei der praktischen Einordnung einiger Werkstoffe. Dies
wird durch verarbeitungs- und prüfbedingte Kennwertstreuung sowie durch mangelhafte
bzw. lückenhafte Informationen zur jeweiligen Eigenschaft verursacht. In solchen
Grenzfällen gilt für die Werkstoffzuordnung immer der Grundsatz, eine voreilige
Ablehnung des Werkstoffes unbedingt zu vermeiden. Auf diese Weise kann das Hauptziel
der Vorauswahl, den optimalen Werkstoff unter den vorgewählten Grundtypen zu garantieren,
mit großer Sicherheit erreicht werden. In diesem Aufsatz kann nicht auf einzelne
Auswahl- und Zuordnungskriterien eingegangen werden. Es sei aber nur vermerkt, daß
pro Werkstoff insgesamt 275 Auswahlkriterien mit 790 Zuordnungsalternativen vorgesehen
sind. Allein die Medienbeständigkeit ist durch 83 Medien bzw. Mediengruppen präsent.
Werkstoffkennzeichnung und Protokollierung:
Alle Werkstoffgrundtypen sind im Programm durch Kurzzeichen, Textbeschreibung und
Handelsnamenbeispiele so gekennzeichnet, daß ein Fachmann beliebige Spezialtypen
zuordnen kann. Die Kurzzeichengebung erfolgt in Anlehnung an ISO 1043 und DIN 7728.
Für normierte Duroplastformmassen wird die Typbezeichnung verwendet. In geringer
Abwandlung zu ISO 1043 sind die eigentlichen Werkstoffkurzzeichen durch weitere
Zeichen in vier Datenblöcken ergänzt. Auf diese Weise können spezielle Eigenschaften,
Herstellungsverfahren, Füllstoffarten und -menge u.a. bereits aus dem Kurzzeichen
erkannt werden. Die Kurzzeichengebung ist im Programm erläutert.
Zur Ergänzung dient eine kurzgefaßte textliche Werkstoffbeschreibung, die Angaben
zur chemischen Struktur und zur Werkstoffzusammensetzung sowie erforderlichenfalls
typische Eigenschaftsangaben enthält. In allen Fällen ist die Werkstoffdichte als
wichtiger Strukturparameter in dieser Beschreibung enthalten. Sofern der Werkstoff
nach DIN typisiert ist, erfolgt die Angabe der Werkstoffbeschaffenheitsnorm. Die
Werkstoffcharakteristik kann zum Kurzzeichen als zusätzliche Information aufgerufen
werden.
In einer weiteren Position sind Handelsnamenbeispiele für Formmassen durch Firmenbezeichnungen
angegeben. Auch diese Beispiele können zusätzlich zum Kurzzeichen abverlangt werden.
Die Vollständigkeit dieser Position hängt von unseren Informationsstand ab. Eine
Zusammenarbeit mit den Formmasseherstellern ist aus diesem Grunde sowie zur Vollständigkeit
der Werkstoffdatei sehr erwünscht.
Im Rahmen von POLMOD hat POLSELEC die Aufgabe, eine Schnittstelle für andere Systemmodule
zu schaffen. Bei der Datenübergabe wird neben der Werkstoffkennzeichnung das gesamte
Eigenschaftsbild in verschlüsselter Form für andere Bearbeitungsschritte erfaßt.
Dies ermöglicht interne Computerentscheidungen bzw. vom Rechner gezielt vorbereitete
Dialoge mit dem Benutzer, was erheblich zur Effizienz der Softwarenutzung beitragen
kann.
Anwendungsvorteile von POLSELEC:
Anschließend sollen die Besonderheiten und Anwendungsvorteile des Werkstoffvorauswahlprogrammes
POLSELEC zusammengefaßt werden:
-
Durch Einbeziehung aller Werkstoffe in das Auswahlverfahren und durch die Beschränkung
auf das grobsortierte Vorauswahlprinzip von Grundtypen wird die Variantenarbeitsweise
erleichtert und gefördert sowie die Sicherheit der Werkstoffentscheidung erhöht,
da diese unabhängig vom aktuellen Werkstoffkenntnisstand des Nutzers ist. Es wird
eingeschätzt, daß ca. 600 bis 800 Werkstoffgrundtypen etwa 10 000 spezielle Handelsprodukte
bei der Werkstoffauswahl mit ausreichenden Differnzierungsmöglichkeiten vertreten
können.
-
Die Erfassung des gesamten Eigenschaftsbildes der Werkstoffe nach einheitlichen
qualitativen oder halbquantitativen Eigenschaftsmerkmalen gestattet eine praxisrelevante
Auswahl am Beginn des Erzeugnisentwicklungsprozesses. Das Auswahlverfahren unterstützt
die in dieser Situation beim Nutzer übliche und vorteilhafte Denkweise in grobgerasterten
Eigenschaftskomplexen, auch als Werkstoffgefühl bezeichnet.
-
POLSELEC ist kein Kennwerteprogramm im üblichen Sinne. Es dient u.a. im Softwaresystem
POLMOD als Vorschaltprogramm und kann in dieser Funktion auch für andere Software
eingesetzt werden. Die bei anderen Kunststoffauswahlprogrammen üblichen Kennwertleerstellen
treten in POLSELEC nicht auf. Alle im Programm enthaltenen Werkstoffe sind ausnahmslos
allen Auswahlkriterien zugeordnet und damit nach einheitlichen Gesichtspunkten eingefügt.
-
Neben der Hauptanwendung als Entscheidungsprogramm für den konstruktiven Kunststoffeinsatz
ist die didaktische Funktion für Aus- und Weiterbildungszwecke wichtig. POLSELEC
hat wesentliche Merkmale eines Lehr- und Lernprogrammes bzw. kann entsprechend genutzt
werden. Es fördert die Denkmethode des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten
und schult auf sehr rationelle Weise das Werkstoffgefühl und die Werkstoffübersicht
für charakteristische Einsatzbedingungen der Kunststoffe.
-
Auswahlkonzeption und Programmstruktur gestatten eine vielseitige Modifizierung
und Erweiterung auf beliebige Werkstoffgruppen und für unterschiedliche Anwendungsfälle.
-
Selbst bei relativ allgemeinen bzw. unbestimmten Anforderungen ist eine gezielte
Einengung der Werkstoffvariantenvielfalt möglich. Daher dürfte das Programm im Zusammenhang
mit Werkstoffprognosen gute Dienste leisten.
Die Software POLSELEC wurde erstmals 1986 vorgestellt und u.a. für die Ausbildung von Ingenieuren der Kunststofftechnik verwendet.
In den letzten Monaten wurde die Software komplett überarbeitet und ist nun als Internet-basierte Software mit erweitertem Funktionsumfang verfügbar.
Installieren Sie die Software in der
aktuellen Version und registrieren Sie
sich. Sie erhalten dann automatisch per E-Mail Informationen über den
Entwicklungsstand der Software und über Updates.